Stell dir vor, jemand leiht sich Geld und bezahlt es nicht zurück.
Dann kann eine Firma eingeschaltet werden, die Inkassounternehmen heißt.
Diese Firma soll helfen, das Geld wiederzubekommen.
Was ein Inkassounternehmen DARF
- Briefe schreiben
Sie dürfen dir (oder deinen Eltern) Briefe schicken und schreiben:
- „Du musst noch Geld bezahlen.“
- „Bitte bezahle bis zu diesem Datum.“
- Anrufen
Sie dürfen anrufen und freundlich nachfragen:
- ob die Rechnung stimmt
- wann bezahlt werden kann
- Gebühren verlangen
Sie dürfen zusätzliche Kosten verlangen (z.B. für den Brief),
aber nur in einer bestimmten, erlaubten Höhe. Nicht einfach irgendwas.
- Ratenzahlung anbieten
Sie dürfen vorschlagen:
- „Du kannst auch in kleinen Teilen bezahlen, z.B. jeden Monat ein bisschen.“
Was ein Inkassounternehmen NICHT DARF
- Keine Drohungen
Sie dürfen dich nicht einschüchtern, z.B.:
- „Wir kommen heute noch vorbei!“
- „Du kommst ins Gefängnis, wenn du nicht sofort bezahlst!“
Das ist verboten. Wegen Schulden kommt man nicht ins Gefängnis.
- Keine Beleidigungen oder Beschimpfungen
Sie dürfen nicht schreien, beleidigen oder dich fertig machen.
Sie müssen immer höflich bleiben.
- Nicht ständig anrufen oder nerven
Sie dürfen nicht:
- 10-mal am Tag anrufen
- spät abends oder ganz früh anrufen
- deine Freunde/Nachbarn/Firma ausplaudern, dass du Schulden hast
Das wäre Belästigung und ist nicht erlaubt.
- Kein Geld verlangen, das es gar nicht gibt
Sie dürfen nicht:
- eine Rechnung verlangen, die schon bezahlt ist
- mehr Geld verlangen, als erlaubt ist
- Sachen dazuerfinden
- Nicht einfach Sachen wegnehmen
Ein Inkassounternehmen darf nicht einfach:
- in deine Wohnung kommen
- Fernseher, Handy oder andere Dinge mitnehmen
Das darf nur ein Gerichtsvollzieher, und auch nur mit einem Gerichtsbeschluss.
Wichtige Tipps (für deine Eltern)
- Wenn ein Inkasso-Brief kommt, sollen deine Eltern:
- prüfen, ob die Rechnung wirklich stimmt
- nachfragen, wenn etwas komisch aussieht
- Wenn sich deine Eltern bedroht oder sehr unter Druck gesetzt fühlen, können sie:
- zur Verbraucherzentrale gehen
- einen Anwalt fragen
- sich bei einer Schuldnerberatung Hilfe holen
Kurz gesagt:
Inkassounternehmen dürfen an Schulden erinnern und höflich um Geld bitten –
aber sie dürfen niemanden bedrohen, fertig machen, ausspionieren oder einfach Sachen wegnehmen.Wie Sie seriöse Inkassobüros erkennen und sich sicher gegen unzulässigen Druck wehrenEin seriöses Inkassobüro können Sie zuerst an den Pflichtangaben erkennen: voller Name und Anschrift des Unternehmens, Aktenzeichen, Name des Gläubigers, genaue Forderung mit Datum und ursprünglicher Rechnung. Im Schreiben muss klar stehen, wofür Sie zahlen sollen, nicht nur „offene Forderung“. Fehlt der ursprüngliche Vertrag oder eine alte Rechnung komplett, sollten Sie misstrauisch werden. Seriöse Büros geben außerdem eine erreichbare Telefonnummer und oft auch eine E-Mail-Adresse an. Wenn Sie dort anrufen, können die Mitarbeitenden den Fall erklären, ohne Sie anzuschreien oder zu drohen. Sie drängen auf Zahlung, aber bleiben sachlich. Ein kurzer Check im Internet hilft auch: Ist das Inkassobüro im Rechtsdienstleistungsregister eingetragen? Tauchen haufenweise Beschwerden auf Bewertungsseiten auf? Das sind einfache, schnelle Prüfungen, die Sie nebenbei machen können.
Unzulässiger Druck fängt da an, wo Angst gemacht werden soll: Drohungen mit „sofortiger Zwangsvollstreckung“, Hausbesuch „heute noch“ oder Formulierungen wie „letzte Chance, sonst Haftbefehl“. So läuft es in der Realität fast nie. Vor Pfändung oder Gericht kommen Mahnungen, Bescheide, Fristen. Wenn Sie so ein Schreiben bekommen, atmen Sie erstmal durch und reagieren schriftlich. Fordern Sie eine genaue Forderungsaufstellung, wenn Sie die Rechnung nicht kennen oder für falsch halten. Streichen Sie Drohungen am Telefon ab, indem Sie sagen: „Bitte alles schriftlich, ich äußere mich nicht am Telefon.“ Lassen Sie sich nicht zu spontanen Ratenzahlungen oder SEPA-Lastschriften überreden, wenn Sie unsicher sind. Lieber einmal mit der Verbraucherzentrale, einer Schuldenberatung oder einem Anwalt sprechen, bevor Geld fließt. Fragen & Antworten
Was macht ein Inkassounternehmen eigentlich?
Ein Inkassounternehmen versucht im Auftrag eines Gläubigers (z. B. eines Handy-Anbieters), offene Rechnungen einzutreiben. Es schreibt Briefe, ruft an oder verschickt E-Mails, um Sie zur Zahlung zu bewegen.
Darf ein Inkasso mich ständig anrufen oder bedrohen?
Nein. Häufige Anrufe, Drohungen, Beschimpfungen oder Einschüchterung sind verboten. Inkasso darf sachlich informieren und zur Zahlung auffordern, aber Sie nicht belästigen oder unter Druck setzen.
Muss ich jede Inkasso-Forderung sofort bezahlen?
Nein. Prüfen Sie zuerst: Kennen Sie die Rechnung? Stimmt die Höhe? Ist die Forderung nicht schon bezahlt oder sehr alt (verjährt)? Wenn etwas unklar ist, können Sie schriftlich widersprechen und Nachweise verlangen.
Welche Gebühren darf ein Inkassobüro verlangen?
Grundsätzlich nur angemessene und nachvollziehbare Kosten, zum Beispiel für Mahnschreiben. Überhöhte oder unklare Gebühren müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Fordern Sie eine genaue Aufstellung der Kosten an.
Darf das Inkasso meinen Arbeitgeber oder Nachbarn informieren?
Nein. Inkassounternehmen müssen sich an den Datenschutz halten. Sie dürfen Ihre Schulden nicht „herumsprechen“ oder Dritte ohne rechtlichen Grund informieren.
Was kann ich tun, wenn ich mich vom Inkasso unfair behandelt fühle?
Dokumentieren Sie alles (Briefe, E-Mails, Anrufzeiten) und widersprechen Sie schriftlich. Holen Sie sich bei einer Schuldnerberatung, Verbraucherzentrale oder einem Anwalt Unterstützung und melden Sie unzulässiges Verhalten der zuständigen Aufsichtsbehörde.
FazitZusammenfassend lässt sich sagen: Inkassounternehmen haben klare rechtliche Grenzen und dürfen Sie weder unter Druck setzen noch mit unzulässigen Drohungen verängstigen. Sie müssen Forderungen nachvollziehbar darlegen, sich an Fristen halten und dürfen nur bestimmte Kosten verlangen. Für Sie bedeutet das: Lassen Sie sich nicht einschüchtern, prüfen Sie jede Forderung in Ruhe und holen Sie sich im Zweifel rechtlichen Rat. Wer seine Rechte kennt, kann selbstbewusster reagieren, unberechtigte Forderungen abwehren und im Alltag besser mit der oft belastenden Situation umgehen.

