Eine Filmproduktion als Genossenschaft gründen – so geht’s

Stell dir vor, du und deine Freundinnen/Freunde wollt zusammen einen Film drehen – richtig professionell, wie im Kino.
Eine Genossenschaft ist eine besondere Art „Team-Firma“, die euch dabei helfen kann.

Ich erkläre dir das in einfachen Schritten:

1. Was ist eine Genossenschaft?

  • Eine Genossenschaft ist wie ein Team-Verein zum Geldverdienen.
  • Viele Menschen tun sich zusammen, z.B. Kameraleute, Schauspieler, Autorinnen, Cutter, Tonleute.
  • Alle sind Mitglieder und gehören gemeinsam zur Genossenschaft.
  • Alle zusammen besitzen die Filmfirma – nicht nur eine Person.

Wie eine Fußballmannschaft:

    • Alle spielen mit,
    • alle gewinnen zusammen,
    • alle entscheiden zusammen.

 

2. Warum ist das für Film gut?

Bei Filmen braucht man:

    • Geld (für Technik, Kostüme, Drehorte …),
    • Leute (Schauspiel, Kamera, Ton, Regie …),
    • Zeit und Planung.

Wenn ihr eine Genossenschaft gründet:

    • kann jede Person ein bisschen Geld einzahlen,
    • könnt ihr gemeinsam Über Filme entscheiden,
    • teilt ihr euch später den Gewinn (wenn der Film Geld einbringt).

 

3. Wer macht mit?

Für eine Genossenschaft brauchst du mindestens:

    • 3 Menschen (in der Praxis oft mehr, z.B. 5–20).

Zum Beispiel:

    • Person A: schreibt das Drehbuch
    • Person B: macht Kamera
    • Person C: kümmert sich um Geld und Verträge
    • Später können noch andere dazukommen, z.B. Schauspieler.

Alle werden Mitglieder.

 

4. Wie gründet man so eine Film-Genossenschaft?

Ganz einfach erklärt in Schritten:

Schritt 1: Idee überlegen

    • Was wollt ihr machen?
    • Z.B. „Wir produzieren Kurzfilme und Dokus“
    • Aufschreiben: Wer macht was? Wie verdient ihr Geld? (z.B. Streaming, Kino, Aufträge)

 

Schritt 2: Regeln aufschreiben (Satzung)

Das ist wie die Klassenregeln in der Schule:

    • Wer darf Mitglied werden?
    • Wie viel Geld zahlt jedes Mitglied ein?
    • Wie wird entschieden? (z.B. Abstimmungen)
    • Was macht die Genossenschaft genau? (Filmproduktion!)

Meist hilft euch dabei ein Erwachsener, z.B.:

    • ein Anwalt,
    • ein Notar,
    • oder ein Genossenschaftsverband.

Schritt 3: Vorstand wählen

Der Vorstand ist wie der Klassensprecher der Genossenschaft:

    • Er oder sie kümmert sich um Verträge, Bank, Organisation.
    • Wird von den Mitgliedern gewählt.
    • Muss sich an die Regeln halten.

Schritt 4: Genug Geld zusammenlegen

Jedes Mitglied zahlt einen Genossenschaftsanteil, also einen bestimmten Geldbetrag.
Damit könnt ihr z.B.:

    • eine Kamera mieten,
    • ein Schnittprogramm kaufen,
    • ein kleines Büro oder Lager bezahlen.

Schritt 5: Eintragen lassen

    • Oft prüft ein Genossenschaftsverband, ob alles richtig gemacht wurde.
    • Ein Notar hilft beim offiziellen Start.

Dann existiert eure Film-Genossenschaft offiziell – eine richtige Firma!

 

5. Wie funktioniert sie dann im Alltag?

  • Ihr sucht gemeinsam Filmprojekte.
  • Die Genossenschaft schließt Verträge (z.B. mit Sendern oder Plattformen).
  • Das Geld für den Film geht an die Genossenschaft.
  • Davon werden zuerst:
  • Kosten bezahlt (Team, Technik, Miete …),
  • dann bleibt hoffentlich Gewinn übrig.

Der Gewinn wird:

    • nach euren Regeln aufgeteilt,
    • oder in neue Filme investiert.

 

6. Was ist besonders fair an einer Genossenschaft?

  • Mitbestimmung: Jedes Mitglied hat normalerweise eine Stimme, egal ob reich oder arm.
  • Gemeinschaft: Ihr helft euch gegenseitig – Technik teilen, Wissen teilen, Kontakte teilen.
  • Sicherheit: Die Genossenschaft ist eine eigene „Person“. Ihr privat haftet nur begrenzt (wenn ihr euch an die Regeln haltet).

7. Ganz kurz zusammengefasst

Eine Filmproduktion als Genossenschaft gründen heißt:

  1. Mehrere Leute tun sich zusammen und sagen:

„Wir machen gemeinsam Filme und gehören alle zu dieser Firma.“

  1. Sie schreiben Regeln auf (Satzung).
  2. Sie zahlen Geld in die gemeinsame Kasse ein.
  3. Sie wählen einen Vorstand.
  4. Sie lassen sich offiziell eintragen.
  5. Sie produzieren Filme und teilen sich später die Erfolge.

Wenn du älter bist und mit Freundinnen/Freunden oder Kolleginnen/Kollegen Filme machen willst, ist eine Genossenschaft eine faire Team-Firma, in der alle mitbestimmen können.

Wenn du magst, kann ich dir als Nächstes ein ganz einfaches Beispiel ausdenken:
„Die Kinder-Film-Genossenschaft aus deiner Stadt“ – mit Figuren, Aufgaben und Geld in einfachen Zahlen.

Finanzierung planen Mitglieder gewinnen und die Genossenschaft rechtssicher gründen

Wenn ihr eine Filmgenossenschaft gründet, müsst ihr zuerst klären, wie ihr das Ganze finanziert. Rechnet ehrlich durch: Was kostet Technik, Büro, Gagen, Miete, Versicherung, Website? Schreibt euch eine einfache Tabelle, zum Beispiel in Excel: laufende Kosten pro Monat, einmalige Anschaffungen, Rücklagen. Dann überlegt, welche Einnahmen realistisch sind: Mitgliedsbeiträge, Einlagen der Mitglieder, Fördergelder, Crowdfunding, Auftragsarbeiten. Es hilft, mit kleinen Beträgen zu rechnen: Was passiert, wenn am Anfang nur zehn Mitglieder mitmachen? Und was, wenn es fünfzig werden? So seht ihr schnell, ob euer Modell trägt oder ob ihr an den Beiträgen oder an den geplanten Ausgaben schrauben müsst.

Parallel dazu geht es darum, genug Mitglieder zu finden, damit sich die Genossenschaft überhaupt lohnt. Sucht Leute, die wirklich mitziehen wollen, nicht nur Unterstützer „auf dem Papier“. Sprecht Kolleginnen und Kollegen aus eurer Filmszene an, geht zu Branchentreffen, Filmfestivals, Stammtischen. Ein einfacher Einseiter hilft: kurz erklären, was die Genossenschaft macht, wie viel der Beitrag ist und was die Mitglieder davon haben, zum Beispiel Mitspracherecht, günstigere Nutzung von Technik oder faire Bezahlung. Für die rechtssichere Gründung braucht ihr eine Satzung, ein Geschäftsguthaben pro Mitglied und die Eintragung beim Genossenschaftsregister. Holt euch dafür im Zweifel Beratung, etwa von einem Genossenschaftsverband oder einem auf Vereins- und Genossenschaftsrecht spezialisierten Anwalt. Das kostet zwar etwas, spart euch aber oft teure Fehler.

FAQ

Was ist eine Filmgenossenschaft überhaupt?

Eine Filmgenossenschaft ist ein gemeinschaftlich geführtes Unternehmen. Die Mitglieder sind zugleich Miteigentümer, treffen wichtige Entscheidungen mit und teilen sich Risiken und Gewinne.

Wer kann Mitglied einer Filmgenossenschaft werden?

Mitglied können zum Beispiel Filmschaffende, Technikerinnen, Kreative oder auch Förderer werden. Voraussetzung ist in der Regel, dass sie Genossenschaftsanteile zeichnen und die Satzung anerkennen.

Wie gründet man eine Filmgenossenschaft Schritt für Schritt?

Zuerst bildet sich eine Gründungsgruppe und erstellt ein Konzept. Dann folgen Satzung, Businessplan und Finanzierung. Anschließend wird die Genossenschaft notariell beurkundet, ins Genossenschaftsregister eingetragen und beim Finanzamt angemeldet.

Wie verdient eine Filmgenossenschaft Geld?

Sie erwirtschaftet Einnahmen durch Filmaufträge, Fördergelder, Koproduktionen, Lizenzen und den Verkauf von Verwertungsrechten. Überschüsse können reinvestiert oder als Rückvergütung an Mitglieder ausgeschüttet werden.

Was sind die Vorteile gegenüber einer normalen Filmfirma?

Mitglieder haben Mitspracherecht, die Haftung ist in der Regel auf die Anteile begrenzt, und die Struktur fördert langfristige Zusammenarbeit statt kurzfristiger Einzelaufträge.

Welche Kosten und Pflichten kommen auf die Mitglieder zu?

Mitglieder zahlen mindestens einen Genossenschaftsanteil und eventuell jährliche Beiträge. Sie sind verpflichtet, die Satzung einzuhalten, an wichtigen Beschlüssen mitzuwirken und Transparenz- und Berichtspflichten der Genossenschaft zu unterstützen.

Fazit

Zum Schluss lässt sich festhalten: Eine genossenschaftliche Filmproduktion bietet die Chance, kreative Arbeit gemeinsam zu organisieren, Risiken zu teilen und Entscheidungen demokratisch zu treffen. Wer sich früh mit Rechtsform, Finanzierung, Mitgliedschaft und internen Abläufen beschäftigt, legt ein stabiles Fundament für langfristige Zusammenarbeit. Im Alltag bedeutet das mehr Klarheit über Zuständigkeiten, mehr Mitbestimmung für alle Beteiligten und mehr Sicherheit bei der Planung von Projekten. So entsteht nicht nur ein professioneller Rahmen für Filmvorhaben, sondern auch eine solidarische Struktur, in der künstlerische und wirtschaftliche Interessen besser ins Gleichgewicht kommen.

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