Stell dir vor, ihr wohnt in einem großen Haus, das vielen Menschen gemeinsam gehört. Das nennt man Wohnungsgenossenschaft. Alle, die dort wohnen, passen zusammen darauf auf – so ähnlich wie ein großer Club für Wohnungen.
Barrierefreies Wohnen bedeutet:
Menschen sollen überall gut hinkommen – auch wenn sie z.B. im Rollstuhl sitzen, schlecht sehen oder schlecht hören. Die Wohnung und das Haus sollen also ohne Hindernisse sein.
Was heißt „barrierefrei“?
Typische Dinge bei barrierefreiem Wohnen sind:
- Keine Stufen am Hauseingang, damit man mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen gut reinkommt.
- Breite Türen, damit ein Rollstuhl durchpasst.
- Fahrstuhl, damit man nicht viele Treppen steigen muss.
- Griffe im Bad, damit man sich gut festhalten kann.
- Dusche ohne hohe Kante, damit man nicht darüber stolpern muss.
- Gute Beleuchtung und klare Schilder, damit man alles leicht findet.
So können alte Menschen, Menschen mit Behinderung und auch Familien mit kleinen Kindern leichter dort leben.
Was ist eine Genossenschaft?
Eine Genossenschaft ist wie:
- ein Hausverein
- in dem die Bewohner nicht nur Mieter sind,
- sondern auch Mitglieder und Mitbestimmer.
Alle zusammen entscheiden z.B.:
- Wie soll das Haus aussehen?
- Was wird repariert?
- Welche Wohnungen sollen barrierefrei gemacht werden?
Wie wird barrierefreies Wohnen in einer Genossenschaft organisiert?
1. Die Menschen sagen, was sie brauchen
Die Bewohner sagen der Genossenschaft:
- „Ich brauche eine Wohnung ohne Stufen.“
- „Meine Oma kommt mich besuchen, sie braucht einen Fahrstuhl.“
- „Ich kann schlecht sehen, ich brauche bessere Beleuchtung.“
Das passiert z.B.:
- im Büro der Genossenschaft
- in Versammlungen (Treffen aller Mitglieder)
- über Telefon oder E-Mail
2. Die Genossenschaft plant
Die Mitarbeiter der Genossenschaft überlegen dann:
- Wo brauchen wir Rampen statt Stufen?
- Wo brauchen wir einen Fahrstuhl?
- Welche Wohnungen können wir umbauen, damit sie barrierefrei werden?
- Haben wir genug Geld dafür? Gibt es Hilfe vom Staat?
Sie machen einen Plan, oft für mehrere Jahre.
3. Umbauen und neu bauen
Dann wird wirklich etwas verändert:
- Bauarbeiter bauen Rampen und Aufzüge ein.
- In einigen Wohnungen werden Bäder umgebaut, z.B. mit bodengleicher Dusche.
- Türen werden breiter gemacht.
- Manchmal werden neue Häuser gleich von Anfang an barrierefrei gebaut.
4. Wohnungen gerecht verteilen
Die Genossenschaft achtet darauf, dass die richtigen Menschen in die passenden Wohnungen kommen:
- Rollstuhlfahrer bekommen eher eine Wohnung, die komplett barrierefrei ist.
- Ältere Menschen bekommen eher Wohnungen mit Fahrstuhl.
- Familien mit Kinderwagen profitieren auch davon.
Oft gibt es dafür Regeln, damit es fair bleibt.
5. Gemeinsam entscheiden
Die Mitglieder der Genossenschaft können mitreden:
- In Mitgliederversammlungen wird besprochen:
„Wollen wir mehr Geld in Barrierefreiheit stecken?“
„Welches Haus soll als Nächstes umgebaut werden?“
- Manchmal gibt es Arbeitsgruppen oder Bewohnerbeiräte, die Ideen sammeln.
So wird gemeinsam entschieden und nicht nur von einer Person.
6. Regelmäßig prüfen
Die Genossenschaft schaut immer wieder:
- Funktioniert der Fahrstuhl?
- Sind die Rampen in Ordnung?
- Brauchen wir noch mehr barrierefreie Wohnungen?
- Haben sich die Bedürfnisse geändert, z.B. weil mehr ältere Menschen einziehen?
Dann wird nachgebessert.
Warum ist das wichtig?
Barrierefreies Wohnen hilft:
- Menschen im Rollstuhl
- Menschen, die schlecht sehen oder hören
- älteren Menschen
- Eltern mit Kinderwagen
- und eigentlich allen, weil es bequemer und sicherer ist
So können alle länger selbstständig leben und müssen nicht so schnell in ein Heim ziehen.
Kurz gesagt:
In einer Genossenschaft gehören Haus und Wohnungen allen Mitgliedern gemeinsam.
Barrierefreies Wohnen bedeutet: Wohnungen und Häuser werden so gebaut oder umgebaut, dass niemand über Hindernisse stolpert oder ausgeschlossen wird.
Die Genossenschaft sammelt die Wünsche der Menschen, plant Umbauten, setzt sie mit Bauarbeitern um und achtet darauf, dass die Wohnungen gerecht verteilt werden – und alle machen dabei ein Stück weit mit.
Praktische Schritte für barrierefreies Wohnen in der Genossenschaft
Barrierefreiheit fängt bei einfachen Dingen an: Stufen am Eingang abbauen oder mit Rampen ergänzen, Türen verbreitern, Klingeln tiefer setzen. In Fluren und Treppenhäusern helfen gute Beleuchtung und klare Beschilderung, zum Beispiel große, kontrastreiche Wohnungsnummern. Handläufe auf beiden Seiten der Treppe geben Sicherheit, auch Menschen mit Gepäck oder Kinderwagen. In Wohnungen machen bodengleiche Duschen, rutschfeste Böden und gut erreichbare Lichtschalter viel aus. Steckdosen nicht direkt über dem Boden, sondern etwas höher, entlasten Rücken und Knie – davon profitieren auch Jüngere.
Praktische Schritte gelingen besser, wenn die Genossenschaft die Bewohner früh einbezieht. Einfache Umfragen oder Mieterversammlungen zeigen, wo es wirklich hakt: zu schwere Haustüren, zu enge Kellerzugänge, fehlende Sitzmöglichkeiten im Hof. Sinnvoll ist ein klarer Ablauf: Bedarf erfassen, Maßnahmen planen, Kosten prüfen, Fördermittel suchen, Arbeiten bündeln, damit nicht ständig neu gebaut wird. Eine Ansprechperson in der Verwaltung, die Anträge koordiniert und bei Formularen hilft, spart Nerven auf beiden Seiten. Hilfreich ist auch, bei Modernisierungen immer mitzudenken: „Können wir das gleich barriereärmer lösen, statt in fünf Jahren wieder aufreißen zu müssen?“
FAQ
Was bedeutet „barrierefreies Wohnen“ in einer Genossenschaft?
Barrierefreies Wohnen heißt, dass Wohnungen, Hauseingänge und Gemeinschaftsbereiche so gestaltet sind, dass sie ohne Hindernisse nutzbar sind – zum Beispiel mit Aufzug, breiten Türen und schwellenlosen Zugängen. In einer Genossenschaft gilt das für die Gebäude, die der Zusammenschluss der Mitglieder gemeinsam besitzt.
Wer entscheidet in der Genossenschaft über barrierefreie Umbauten?
Meist entscheidet der Vorstand oder die Geschäftsführung nach festgelegten Regeln. Wichtige Grundsatzfragen, etwa zu größeren Bauprojekten oder neuen Konzepten, werden oft in der Vertreterversammlung oder Generalversammlung der Mitglieder besprochen und beschlossen.
Wie kann ich als Mitglied einen barrierefreien Umbau anregen?
Sie können sich an die Geschäftsstelle, die Hausverwaltung oder den Mitglieder-Service wenden und Ihren Bedarf schildern. Oft gibt es Formulare oder feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die gemeinsam mit Ihnen prüfen, was technisch und finanziell möglich ist.
Wer bezahlt barrierefreie Anpassungen in der Wohnung?
Das hängt von der Art der Maßnahme ab. Allgemeine Verbesserungen, etwa ein Aufzug im Haus, finanziert meist die Genossenschaft über die Miete aller. Individuelle Umbauten in einer einzelnen Wohnung, zum Beispiel ein bodengleicher Duschumbau, werden häufig durch eine Mischung aus eigenen Mitteln, möglichen Zuschüssen (z. B. Pflegekasse) und Vereinbarungen mit der Genossenschaft bezahlt.
Gibt es Wartelisten für barrierefreie Wohnungen?
Ja, häufig. Barrierefreie oder besonders gut erreichbare Wohnungen sind meist stark nachgefragt. Viele Genossenschaften führen daher Wartelisten und vergeben freie Wohnungen nach transparenten Regeln, zum Beispiel nach Dringlichkeit, Mitgliedsdauer oder sozialen Kriterien.
Was passiert, wenn ich später keinen barrierefreien Standard mehr brauche?
Sie können die Wohnung in der Regel ganz normal weiter nutzen. Manche Genossenschaften prüfen aber, ob spezielle Einbauten (wie Haltegriffe oder Rampen) wieder zurückgebaut werden sollen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Das wird meist individuell vereinbart.
Schlussgedanken
Zusammenfassend zeigt sich: Barrierefreies Wohnen ist kein Luxus, sondern eine wichtige Grundlage dafür, dass Menschen in jeder Lebensphase selbstbestimmt wohnen können. Genossenschaften tragen dazu bei, indem sie bauliche Anpassungen planen, gemeinsam finanzieren und transparent organisieren. Entscheidend ist, dass Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig ihre Bedürfnisse einbringen, Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und alle Beteiligten im Gespräch bleiben. So entstehen Wohnformen, in denen Rücksichtnahme, Teilhabe und Sicherheit keine Zusatzangebote sind, sondern selbstverständlicher Bestandteil des Alltags – heute und in Zukunft.

