Eigenbedarfskündigung einfach erklärt

Stell dir vor, jemand verleiht dir sein Zimmer. Nach einer Zeit sagt der Besitzer: „Ich brauche das Zimmer jetzt selbst wieder.“ Genau das ist eine Eigenbedarfskündigung bei einer Wohnung.

Einfach erklärt:
– Was ist das? Der Vermieter beendet den Mietvertrag, weil er die Wohnung für sich oder enge Familie braucht. Zum Beispiel für sich selbst, seine Kinder, Eltern oder Großeltern.
– Darf er das einfach so? Er braucht einen echten Grund. Zum Beispiel: „Meine Tochter zieht für die Ausbildung in die Stadt und braucht die Wohnung.“
– Wie sagt er das? Er muss einen Brief schreiben. In dem Brief steht, wer einzieht und warum.
– Wie viel Zeit hat man zum Ausziehen? Meistens 3 Monate. Wenn man schon sehr lange dort wohnt, kann die Frist länger sein (bis zu 9 Monate).
– Was, wenn Umziehen sehr schwer ist? Dann kann der Mieter widersprechen (Härtefall). Zum Beispiel bei sehr schwerer Krankheit, sehr hohem Alter, Schwangerschaft oder wenn es gar keine andere Wohnung gibt.
– Was darf der Vermieter nicht? Er darf nicht lügen, nur um jemanden loszuwerden. Er darf auch nicht drängeln oder bedrohen. Und er darf nicht einfach morgen schon den Auszug verlangen.
– Was kann man tun?
1) Mit dem Vermieter reden.
2) Hilfe holen (z. B. Mieterverein, Anwalt, Familie).
3) Nachfragen, ob es eine andere passende Wohnung vom Vermieter gibt.
4) Wenn es ein Härtefall ist, schriftlich widersprechen.

Wichtig: Bis man wirklich auszieht, gilt der Vertrag noch. Man zahlt weiter Miete und gibt die Wohnung am Ende ordentlich zurück. Wenn man sich nicht einigt, entscheidet am Ende ein Gericht.

Erlaubte Gründe, Fristen, Härtefälle und konkrete Tipps für eine faire und rechtssichere Eigenbedarfskündigung

Eigenbedarf ist erlaubt, wenn du die Wohnung für dich, deine Kinder, Eltern, Enkel, Geschwister oder deinen Ehe- bzw. Lebenspartner brauchst. Oft geht es auch für Schwiegereltern oder eine Person, die künftig zu deinem Haushalt gehören soll (zum Beispiel Pflegekraft). Gründe müssen konkret und plausibel sein: mehr Platz nach Geburt, näher zur Arbeit, barrierefrei wegen Krankheit, Trennung, Studienbeginn des Kindes. Unzulässig sind Vorwandgründe wie „leer verkaufen“ oder „teurer vermieten“. Nenne im Kündigungsschreiben die Person mit Namen und Beziehung, den konkreten Grund und ab wann sie einziehen will. Gibt es in deinem Haus eine vergleichbare freie Wohnung, biete sie an. Fällt der Bedarf weg, informiere sofort.

Für Vermieter gelten Fristen von 3, 6 oder 9 Monaten – je nach Mietdauer bis 5, 8 oder über 8 Jahre. Kündige immer schriftlich auf Papier, eigenhändig unterschrieben, an alle Mieter, mit Begründung und Hinweis auf das Widerspruchsrecht. Der Widerspruch wegen Härte muss dir spätestens zwei Monate vor Fristende zugehen. Typische Härtefälle: hohes Alter, schwere Krankheit, Schwangerschaft, anstehendes Examen, sehr lange Wohndauer ohne realistische Ersatzwohnung. Dann kann sich die Räumung verzögern oder scheitern. Praktisch hilft: früh sprechen, fairer Ton, flexible Übergabetermine, Umzugshilfe oder Abfindung anbieten, interne Alternativwohnungen aktiv anbieten. Prüfe lokale Kündigungssperrfristen nach Umwandlung in Eigentum (oft 3 bis 10 Jahre). Zustellung sicher nachweisen (zum Beispiel Einwurf-Einschreiben plus Zeuge). Keine Vorratskündigung, keinen Druck, keine Schlüsselübergabe vor Vertragsende.

Wesentliche Punkte

Zum Schluss lässt sich festhalten: Eine Kündigung wegen Eigenbedarfs erfordert nachvollziehbare Gründe, die richtige Form und die Beachtung der rechtlichen Vorgaben. Sowohl Vermietende als auch Mietende haben klare Rechte und Pflichten – wer sie kennt, vermeidet Fehler und unnötige Konflikte. Entscheidend sind eine verständliche Begründung, die Einhaltung aller Fristen und eine frühzeitige, faire Kommunikation. Bei Unsicherheiten hilft es, rechtzeitig fachlichen Rat einzuholen und alle Schritte sorgfältig zu dokumentieren. Das Thema ist im Alltag relevant, weil sich Lebensumstände ändern, Wohnraum knapp ist und Entscheidungen rund um die eigene Wohnung große Auswirkungen haben. Mit guter Vorbereitung und Respekt auf beiden Seiten lassen sich praktikable Lösungen finden.

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