Genossenschaft gründen als Studierende: So funktioniert’s Schritt für Schritt

Stell dir vor, du und deine Freund*innen wollt zusammen etwas machen: z.B. einen günstigen Lernraum, ein Café an der Uni oder einen Tausch-Laden für Bücher. Dafür kann man eine Genossenschaft gründen.

Eine Genossenschaft ist wie ein Team-Verein für Geld und Projekte:

  • Alle machen mit.
  • Alle entscheiden mit.
  • Niemand darf einfach alles alleine bestimmen.

Ich erkläre dir das Schritt für Schritt – so, als würdet ihr Studierende sein, aber du bist 10 und willst es verstehen.

1. Was ist eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist:

  • Eine Gruppe von Menschen (z.B. Studierende),
  • die zusammen Geld und Ideen in einen „Topf“ werfen,
  • um etwas gemeinsam aufzubauen, z.B.:
  • einen fairen Uni-Kiosk,
  • günstige WG-Zimmer,
  • ein Repair-Café für kaputte Laptops.

Alle, die mitmachen, heißen Mitglieder.
Jedes Mitglied ist ein kleiner Mit-Besitzer.

Wichtig:

    • Jede Person hat 1 Stimme, egal ob sie viel oder wenig Geld reinlegt.
    • Die Genossenschaft soll den Mitgliedern helfen – nicht einfach nur reich machen.

2. Wer darf eine Genossenschaft gründen?

  • Man braucht meistens mindestens 3 Personen für den Start.
  • Das können z.B. Studierende sein, die dieselbe Idee haben.
  • Ihr müsst euch einig sein:

„Wir machen das zusammen und fair.“

3. Was wollt ihr überhaupt machen?

Bevor ihr startet, müsst ihr wissen:

  • Was ist eure Idee?
  • Café?
  • Lernraum?
  • Wohnprojekt?
  • Fahrrad-Werkstatt?
  • Für wen macht ihr das?
  • Für Studierende?
  • Für Leute aus der Nachbarschaft?

Schreibe eure Idee einmal einfach auf, z.B.:

„Wir wollen eine Genossenschaft gründen, damit Studierende günstig Kaffee trinken und lernen können.“

Das ist wie ein Plan in einfachen Worten.

4. Wer macht was? (Aufgaben verteilen)

In einer Genossenschaft gibt es wichtige Rollen:

  1. Mitglieder
    • Alle, die mitmachen.
    • Zahlen meist einen kleinen Betrag ein (z.B. 50 € oder 100 €).
    • Dürfen mitbestimmen.
  1. Vorstand (Chef-Team)
    • 1-3 Personen (oder mehr),
    • kümmern sich um den Alltag:
    • Geld,
    • Verträge,
    • Mails.
  1. Aufsichtsrat (Aufpass-Team – bei größeren Genossenschaften)
    • Kontrolliert den Vorstand,
    • schaut, ob alles ehrlich und gut läuft.

Am Anfang könnt ihr euch fragen:

    • Wer hat Lust, im Vorstand zu sein?
    • Wer passt gut auf Geld auf?
    • Wer kann gut organisieren?

5. Regeln aufschreiben: die Satzung

Die Satzung sind die Regeln eurer Genossenschaft.
Wie eine „Klassenordnung“, nur für euer Projekt.

Darin steht z.B.:

  • Wie heißt eure Genossenschaft?
  • Was ist euer Ziel?
  • Wie wird man Mitglied?
  • Wie viele Anteile (Geld) muss man zahlen?
  • Wie oft trefft ihr euch zur Versammlung?
  • Wie wählt und wechselt ihr den Vorstand?

Diese Regeln schreibt ihr auf, unterschreibt sie und haltet euch später daran.

6. Geld: Genossenschaftsanteile

Damit ihr starten könnt, braucht ihr Startgeld.

  • Jedes Mitglied kauft einen oder mehrere Anteile.
  • Ein Anteil hat z.B. einen Wert: 10 €, 25 €, 50 € oder 100 €.
  • Das entscheidet ihr selbst in eurer Satzung.

Beispiel:

    • Ein Anteil = 50 €
    • Person A kauft 1 Anteil → zahlt 50 €
    • Person B kauft 3 Anteile → zahlt 150 €

Aber:

    • Beide haben trotzdem nur 1 Stimme bei Abstimmungen.
    • Das ist das Besondere an Genossenschaften: fair und gleich.

7. Genossenschaft offiziell machen

Jetzt kommt der „offizielle Teil“ – da helfen meist Erwachsene oder Berater.

Die Schritte sind ungefähr:

  1. Gründungsversammlung
    • Ihr trefft euch alle.
    • Ihr besprecht und unterschreibt:
    • die Satzung (Regeln),
    • wer Vorstand ist.
  1. Eintragung ins Genossenschaftsregister
    • Ihr meldet euch beim Gericht an (Amtsgericht).
    • Dann seid ihr offiziell eine Genossenschaft.
  1. Konto eröffnen
    • Ihr macht ein Bankkonto auf den Namen der Genossenschaft.
    • Die Mitglieder zahlen ihre Anteile ein.
  1. Finanzamt informieren
    • Damit alles mit Steuern richtig läuft.

Das klingt kompliziert, aber:

    • Oft helfen Gründungsberater, Studentenwerke oder Genossenschaftsverbände dabei.

8. Wie wird entschieden?

In einer Genossenschaft gibt es Versammlungen, wo alle Mitglieder eingeladen sind.

  • Ihr trefft euch (oder online).
  • Ihr besprecht wichtige Dinge:
  • Was machen wir mit dem Geld?
  • Welche Projekte starten wir?
  • Wie lief das letzte Jahr?

Jede Person:

    • hat eine Stimme,
    • darf Ja oder Nein sagen,
    • darf Fragen stellen.

So wird entschieden:

    • Mehrheit gewinnt (z.B. 10 Ja, 3 Nein → der Vorschlag wird gemacht).

9. Was passiert mit dem Gewinn?

Stellt euch vor, euer Projekt läuft gut und ihr habt am Ende Geld übrig.

Dieses Geld nennt man Gewinn.

Ihr könnt in der Satzung regeln, was passieren soll:

  • Ein Teil bleibt in der Genossenschaft:
  • für neue Möbel, Geräte, Projekte.
  • Ein Teil kann an die Mitglieder gehen:
  • als kleine Rückzahlung oder Bonus (Ausschüttung).

Wichtig:

    • Das Ziel ist meistens nicht „reich werden“,
    • sondern: allen Mitgliedern das Leben besser und fairer machen.

10. Einfaches Beispiel: Studierenden-Café

So könnte es aussehen:

  1. 5 Studierende wollen ein faires Café an der Uni.
  2. Sie gründen eine Genossenschaft:
    • „CampusCafé eG“ (eG = eingetragene Genossenschaft).
    • Jedes Mitglied zahlt:
    • 100 € für 1 Anteil.
    • 30 Mitglieder → 3.000 € Startgeld.
    • Sie mieten einen kleinen Raum und kaufen eine Kaffeemaschine.
    • Alle entscheiden gemeinsam:
    • Preise,
    • Öffnungszeiten,
    • woher der Kaffee kommt.
    • Wenn am Ende des Jahres Geld übrig ist:
    • Teil bleibt im Café,
    • Teil kann als kleiner Bonus an die Mitglieder gehen

oder die Preise werden noch günstiger.

Kurz-Zusammenfassung in Kinder-Sprache

  • Eine Genossenschaft ist ein Gemeinschafts-Projekt mit Geld.
  • Viele Menschen legen zusammen Geld und Ideen in einen Topf.
  • Alle sind ein bisschen Besitzer.
  • Alle haben eine Stimme, egal wie viel Geld sie geben.
  • Es gibt klare Regeln (Satzung).
  • Man gründet sie offiziell, damit sie anerkannt ist.
  • Ziel: Allen Mitgliedern helfen, nicht nur einigen wenigen.

Wenn du magst, kann ich dir als Nächstes ein ganz einfaches „Muster“ für so eine Gruppe schreiben, z.B. für eine Bücher-Tausch-Genossenschaft an der Schule.

Die passende Idee finden und Ziele eurer studentischen Genossenschaft klar festlegenAm Anfang steht immer die Frage: Was wollt ihr mit eurer Genossenschaft konkret erreichen? Geht es zum Beispiel um günstigen Wohnraum für Studierende, eine gemeinsame Werkstatt, einen Unverpackt-Laden auf dem Campus oder faire Nachhilfeangebote? Je genauer ihr euer Problem benennt, desto leichter findet ihr eine passende Idee. Hilfreich ist, wenn ihr euch anschaut, was es an eurer Hochschule schon gibt – und was alle ständig nervt: zu teure Mensa, fehlende Lernräume, keine Reparaturangebote für Laptops oder Fahrräder. Daraus lassen sich oft sehr konkrete Vorhaben ableiten.

Danach solltet ihr eure Ziele klar festhalten, nicht nur im Kopf, sondern schriftlich. Zum Beispiel: „Wir wollen innerhalb von zwei Jahren 50 Mitglieder gewinnen“, „Wir wollen die Miete für Studierende um etwa 20 % unter dem lokalen Durchschnitt halten“ oder „Wir wollen jedes Semester mindestens drei öffentliche Veranstaltungen für alle Studierenden anbieten.“ Solche klaren Ziele helfen euch bei späteren Entscheidungen: Passt ein neues Angebot dazu oder nicht? Wenn ihr wollt, könnt ihr eure Ziele in „Muss“ und „Nice to have“ einteilen. Das klingt banal, verhindert aber, dass ihr euch verzettelt oder euch von lauten Einzelmeinungen in der Gruppe vom eigentlichen Zweck wegschieben lasst. FAQ

Was ist eine Genossenschaft überhaupt?
Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von Personen, die gemeinsam ein Ziel verfolgen – zum Beispiel günstigen Wohnraum, ein Café oder eine Nachhilfe-Plattform. Alle Mitglieder sind Mit-Eigentümer und treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam.

Warum kann es sich für Studierende lohnen, eine Genossenschaft zu gründen?
Ihr könnt Projekte umsetzen, die alleine zu groß oder zu teuer wären, etwa Wohnheime, Lernräume oder Gemeinschaftsbüros. Gewinne bleiben in der Gemeinschaft und werden für das gemeinsame Ziel genutzt, statt an einzelne Personen ausgeschüttet zu werden.

Wie viele Personen brauche ich, um eine Genossenschaft zu gründen?
In der Regel braucht ihr mindestens drei Gründungsmitglieder. Diese Personen unterschreiben die Satzung, bringen Geschäftsanteile ein und tragen die Genossenschaft gemeinsam.

Was ist eine Satzung und warum ist sie wichtig?
Die Satzung ist so etwas wie die „Grundordnung“ eurer Genossenschaft. Darin steht unter anderem, wofür ihr euch zusammenschließt, wie Entscheidungen getroffen werden, wie viele Anteile Mitglieder kaufen müssen und wie Vorstände gewählt werden.

Braucht eine studentische Genossenschaft Startkapital?
Ja, aber oft weniger, als viele denken. Jedes Mitglied zahlt einen oder mehrere Geschäftsanteile ein. Die genaue Höhe legt ihr in der Satzung fest – sie sollte für Studierende realistisch und bezahlbar sein.

Welche rechtlichen Schritte sind nötig?
Ihr erstellt eine Satzung, wählt einen Vorstand und häufig auch einen Aufsichtsrat, lasst euch von einem Prüfungsverband beraten und meldet die Genossenschaft beim Genossenschaftsregister an. Erst mit der Eintragung seid ihr offiziell eine eingetragene Genossenschaft (eG).

AbschlussZum Schluss lässt sich festhalten: Eine Genossenschaft zu gründen bedeutet vor allem, Verantwortung gemeinsam zu übernehmen, Aufgaben fair zu verteilen und Entscheidungen demokratisch zu treffen. Wer sich früh mit den notwendigen Schritten von der Idee über den Businessplan bis zur Eintragung auseinandersetzt, schafft eine solide Grundlage für ein langfristig tragfähiges Projekt.

Für den Alltag von Studierenden ist das besonders spannend, weil eine Genossenschaft konkrete Lösungen für gemeinsame Bedürfnisse bieten kann – etwa beim Wohnen, Arbeiten oder Gründen kleiner Projekte. Gleichzeitig sammelt ihr wertvolle Praxiserfahrungen in Organisation, Finanzen und Zusammenarbeit, die euch weit über das Studium hinaus nützen.

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