Genossenschaft gründen in Deutschland – Schritt für Schritt erklärt

Stell dir eine Genossenschaft wie einen starken Freundes‑Club vor, in dem alle mitbestimmen dürfen und sich gegenseitig helfen – nur eben als Firma.

Ich erkläre dir Schritt für Schritt, wie man so eine Genossenschaft in Deutschland gründet.

1. Idee haben: Wozu ist die Genossenschaft da?

Zuerst überlegen die Leute:

  • Was wollen wir zusammen machen?
  • z.B. einen gemeinsamen Laden
  • gemeinsam eine Wohnung kaufen und dort wohnen
  • gemeinsam einen Bauernhof betreiben
  • Wem soll die Genossenschaft helfen?
  • den Mitgliedern selbst (z.B. günstig einkaufen, besser wohnen, gemeinsam verkaufen)

Merke: Eine Genossenschaft ist nicht da, damit eine Person reich wird,
sondern damit alle Mitglieder etwas davon haben.

2. Menschen finden, die mitmachen

Man braucht:

  • mindestens 3 Personen, die mitgründen
  • alle sagen: „Ja, ich will mitmachen und Mitglied werden.“

Die Gründer überlegen:

  • Wer macht später welche Aufgaben?
  • z.B. Kasse, Schreiben ans Amt, Organisation

3. Einen Namen und Regeln ausdenken

Wie bei einem Fußballverein braucht die Genossenschaft:

a) Einen Namen

Zum Beispiel:

    • „Wohnbau-Genossenschaft Sonnenschein eG“
    • „Hofladen Musterstadt eG“

Wichtig: Am Ende steht fast immer „eG“ (eingetragene Genossenschaft).

b) Eine Adresse

Eine offizielle Anschrift, wo Post ankommt.

c) Regeln, die „Satzung“ heißen

Die Satzung ist wie ein dickes Regelheft für den Club.
Darin steht z.B.:

  • Was macht die Genossenschaft?
  • Wer kann Mitglied werden?
  • Wie viel Geld muss jedes Mitglied einzahlen? (das nennt man „Geschäftsanteil“)
  • Wer entscheidet was?
  • Was passiert, wenn jemand austreten will?

Diese Satzung schreiben die Gründer zusammen auf.

 

4. Gremien festlegen: Wer trifft Entscheidungen?

Eine Genossenschaft hat meistens:

  1. Mitgliederversammlung
    • Alle Mitglieder treffen sich.
    • Jedes Mitglied hat 1 Stimme (egal, wie viel Geld es hat).
    • Sie wählen z.B. den Vorstand.
  1. Vorstand
    • Leitet die Genossenschaft im Alltag.
    • Unterschreibt Verträge, erledigt Papierkram.
  1. Aufsichtsrat (bei größeren Genossenschaften)
    • Schaut, ob der Vorstand alles richtig macht.
    • Eine Art „Kontroll-Team“.

5. Geld einsammeln – die Geschäftsanteile

Jedes Mitglied zahlt einen bestimmten Betrag ein, z.B.:

  • 100 Euro
  • 500 Euro
  • oder was die Gründer in der Satzung festlegen

Dieses Geld gehört dann allen zusammen, nicht einer einzelnen Person.
Damit kann die Genossenschaft z.B. Dinge kaufen oder Miete zahlen.

6. Die Gründungsversammlung

Die Gründer treffen sich offiziell und machen z.B.:

  1. Sie sprechen die Satzung durch.
  2. Sie unterschreiben die Satzung.
  3. Sie wählen den Vorstand (und ggf. Aufsichtsrat).
  4. Sie schreiben ein Protokoll (ein Dokument, wo alles drinsteht).

Damit ist die Genossenschaft im Inneren schon fast fertig –
sie muss jetzt noch offiziell angemeldet werden.

7. Prüfung durch einen Prüfungsverband

In Deutschland muss eine Genossenschaft von einem Prüfungsverband geprüft werden, bevor sie eingetragen wird.

Der Prüfungsverband schaut:

  • Sind die Regeln (Satzung) in Ordnung?
  • Reicht das Geld?
  • Ist der Plan der Genossenschaft sinnvoll?

Wenn alles passt, gibt es ein Gutachten (eine Art „Alles in Ordnung!“-Zettel).

8. Eintrag ins Genossenschaftsregister

Jetzt geht’s zum Notar (eine Art „Unterschriften-Profi“):

  1. Der Notar prüft die Unterlagen.
  2. Er schickt sie ans Gericht, damit die Genossenschaft ins Genossenschaftsregister eingetragen wird.

Wenn sie dort eingetragen ist, darf sie sich offiziell „eG“ nennen
und ist rechtlich eine richtige Genossenschaft.

9. Finanzamt und Bank

Wie jede Firma braucht die Genossenschaft:

  • eine Steuernummer vom Finanzamt
  • ein Bankkonto, damit man Geld einzahlen und Rechnungen bezahlen kann

10. Loslegen!

Jetzt kann die Genossenschaft wirklich starten:

  • Dinge einkaufen oder verkaufen
  • Wohnungen bauen oder vermieten
  • einen Laden eröffnen
  • was auch immer in der Satzung steht

Alle Mitglieder können:

  • mitentscheiden
  • mitarbeiten (wenn sie wollen)
  • von den Angeboten profitieren

Warum ist eine Genossenschaft etwas Besonderes?

  • Gemeinsam statt allein: Viele Menschen tun sich zusammen.
  • Mitbestimmung: Jedes Mitglied hat eine Stimme, egal wie reich es ist.
  • Fairness: Die Genossenschaft soll den Mitgliedern nutzen, nicht nur ein paar wenigen.
  • Sicherheit: Für Schulden haftet normalerweise nur das Geld der Genossenschaft, nicht das ganze Privatvermögen der Mitglieder (mit Ausnahmen, je nach Satzung).

Wenn du magst, kann ich dir als Nächstes ein ganz einfaches Beispiel malen:
z.B. „Wie drei Freunde eine Eis‑Genossenschaft gründen“.Die passende Genossenschaftsform wählen und gemeinsam Ziele festlegenAm Anfang steht die Frage, welche Genossenschaftsform zu euch passt. Grob gibt es zum Beispiel Wohnungsgenossenschaften, Energiegenossenschaften, landwirtschaftliche Genossenschaften oder Dienstleistungsgenossenschaften. Überlegt euch: Was wollt ihr konkret gemeinsam erreichen – Wohnungen sichern, Strom produzieren, regionale Produkte vermarkten, gemeinsam einkaufen oder als Selbständige besser auftreten? Die Form sollte zur Branche, zur Zielgruppe und zu euren finanziellen Möglichkeiten passen. Schaut euch ähnliche bestehende Genossenschaften an, sprecht mit Verantwortlichen dort und achtet darauf, wie deren Struktur aufgebaut ist, wie sie Geld einnehmen und welche Pflichten die Mitglieder haben.

Wenn ihr wisst, welche Grundrichtung passt, geht es darum, gemeinsame Ziele festzulegen. Nicht nur grob „Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen“, sondern messbar und greifbar: Wie viele Wohnungen, in welchem Zeitraum, für wen genau? Oder: Wie viel Strom wollt ihr erzeugen, wie viele Mitglieder wollt ihr im ersten Jahr gewinnen, ab wann soll das Ganze kostendeckend laufen? Haltet diese Ziele schriftlich fest, am besten in einem einfachen Papier, das später die Grundlage für Satzung und Geschäftsplan ist. Wichtig ist, dass alle Beteiligten diese Ziele verstehen und mittragen. Wenn schon beim Formulieren viel Streit entsteht oder unklare Erwartungen auftauchen, lieber an diesem Punkt länger diskutieren, statt später im laufenden Betrieb. FAQ

Was ist eine Genossenschaft überhaupt?
Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von Personen, die gemeinsam wirtschaften wollen. Alle Mitglieder sind Miteigentümer, entscheiden mit und nutzen gemeinsam die Angebote der Genossenschaft.

Wie viele Personen brauche ich, um eine Genossenschaft zu gründen?
In Deutschland brauchen Sie mindestens drei Personen. Alle drei werden Mitglieder und unterschreiben die Satzung, also die Grundregeln der Genossenschaft.

Brauche ich Startkapital für eine Genossenschaft?
Ja, jedes Mitglied zeichnet mindestens einen Anteil, also einen Geldbetrag, den es in die Genossenschaft einbringt. Die Höhe steht in der Satzung. Zusammen ergibt das das Startkapital.

Was ist ein Genossenschaftsverband und warum ist er wichtig?
Ein Genossenschaftsverband ist eine Prüfstelle für Genossenschaften. Er kontrolliert vor der Gründung den Geschäftsplan und prüft später regelmäßig, ob die Genossenschaft gesund wirtschaftet. Eine Mitgliedschaft in einem Verband ist Pflicht.

Wie läuft die Gründung Schritt für Schritt ab?
Zuerst finden sich die Mitglieder und legen Ziele fest. Dann erstellen sie einen Geschäftsplan und die Satzung. Danach kommt die Prüfung durch den Genossenschaftsverband. Anschließend wird die Genossenschaft beim Registergericht eingetragen und kann offiziell starten.

Wer haftet, wenn die Genossenschaft Schulden macht?
In der Regel haftet nur die Genossenschaft mit ihrem eigenen Vermögen. Wie weit die Mitglieder mit ihren Anteilen oder zusätzlich haften, steht genau in der Satzung. Diese Regelung sollte vor der Gründung sorgfältig geprüft werden.

AbschlussZum Schluss lässt sich festhalten: Eine Genossenschaft zu gründen bedeutet, Verantwortung gemeinsam zu übernehmen, klare Strukturen zu schaffen und die eigenen Ziele demokratisch zu verfolgen. Wer sich mit den rechtlichen Grundlagen, den notwendigen Formalitäten und der inneren Organisation auseinandersetzt, legt den Grundstein für ein stabiles und faires Miteinander.

Im Alltag kann eine Genossenschaft helfen, Wohnraum bezahlbar zu halten, regionale Angebote zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern oder gemeinschaftliche Projekte zu finanzieren. Sie bietet Menschen die Möglichkeit, sich zu organisieren, ihre Interessen zu bündeln und langfristig von gemeinsamen Entscheidungen zu profitieren. So wird aus einer formalen Rechtsform ein praktisches Werkzeug, um das eigene Umfeld aktiv mitzugestalten.

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