Kurze Antwort
Ein Anschlag auf kritische Infrastruktur ist ein gezielter Angriff auf Systeme, die für das tägliche Leben unverzichtbar sind – etwa Strom, Wasser, Gesundheitsversorgung, Verkehr oder digitale Netze. Ziel ist nicht ein einzelner Mensch, sondern das Funktionieren der Gesellschaft insgesamt.
Was ist „kritische Infrastruktur“ überhaupt?
Der Begriff bezeichnet lebenswichtige Systeme, ohne die ein moderner Staat nicht handlungsfähig ist. In Deutschland sind diese Bereiche offiziell definiert und geschützt, unter anderem durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das Bundesministerium des Innern.
Zu den wichtigsten Bereichen zählen:
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Energie: Stromnetze, Umspannwerke, Gas- und Wärmenetze
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Wasser: Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung
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Gesundheit: Krankenhäuser, Notfallversorgung, Arzneimittel
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Verkehr: Bahn, Flughäfen, Leitstellen
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Information & Kommunikation: Rechenzentren, Internetknoten, Mobilfunk
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Ernährung & Logistik: Lebensmittelproduktion, Lager, Transport
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Finanzen: Zahlungsverkehr, Banken, Börsen
Merksatz:
Kritische Infrastruktur ist alles, was man erst dann vermisst, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert.
Was macht einen „Anschlag“ aus?
Nicht jeder Ausfall ist ein Anschlag. Entscheidend ist die Absicht.
Ein Anschlag liegt vor, wenn:
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vorsätzlich gehandelt wird (Sabotage, Brandstiftung, Cyberangriff),
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gezielt kritische Systeme getroffen werden,
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große Teile der Bevölkerung betroffen sind oder betroffen sein könnten.
Typische Formen:
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Physische Angriffe: Brand an Kabeltrassen, Zerstörung von Umspannwerken
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Cyberangriffe: Lahmlegung von Leitstellen, Krankenhäusern oder Netzen
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Kombinierte Angriffe: Digital vorbereitet, physisch ausgeführt
Warum sind diese Systeme so verwundbar?
Moderne Infrastruktur ist hoch effizient – aber stark vernetzt. Das macht sie leistungsfähig, aber auch anfällig.
Drei zentrale Gründe:
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Zentralisierung
Wenige Knotenpunkte versorgen sehr viele Menschen. -
Vernetzung
Fällt ein Teil aus, zieht er andere Bereiche mit. -
Optimierung auf Effizienz
Weniger Redundanzen = geringere Puffer im Krisenfall.
Zahlen & Fakten (verständlich eingeordnet)
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Stromabhängigkeit
Über 90 % aller Haushalte und Betriebe sind vollständig auf Strom angewiesen – ohne Strom funktionieren auch Wasserpumpen, Tankstellen, Kassensysteme und Mobilfunk nur eingeschränkt. -
Kaskadeneffekte
Studien zum Bevölkerungsschutz zeigen:
Bereits nach 24 Stunden großflächigem Stromausfall beginnen massive Versorgungsprobleme (Lebensmittel, Bargeld, medizinische Geräte). -
Krankenhäuser
Notstromaggregate sind meist auf 48–72 Stunden ausgelegt – vorausgesetzt, Diesel-Nachschub ist gesichert. -
Cyberbedrohung
Die Zahl gemeldeter schwerer IT-Sicherheitsvorfälle in kritischen Bereichen hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt (laut Lagebildern der IT-Sicherheitsbehörden).
Wichtig:
Ein Anschlag muss nicht erfolgreich sein, um Schaden zu verursachen. Schon die Störung oder Drohung kann große Unsicherheit auslösen.
Warum sprechen Politiker schnell von „Terrorismus“?
Der Begriff wird verwendet, wenn:
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eine politische oder ideologische Motivation vermutet wird,
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die Tat Angst in der Bevölkerung erzeugen soll,
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staatliche Ordnung oder Sicherheit gezielt unter Druck geraten.
Rechtlich ist Terrorismus eng definiert. Ob ein Anschlag juristisch als Terror gilt, entscheiden Ermittlungen und Gerichte, nicht Schlagzeilen.
Was bedeutet das für dich ganz konkret?
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Kurzfristig: Strom, Internet oder Verkehr können ausfallen – lokal oder regional.
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Mittelfristig: Debatten über Sicherheit, Überwachung, Schutzmaßnahmen nehmen zu.
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Langfristig: Infrastruktur wird teurer, weil mehr Schutz, Redundanz und Kontrolle nötig sind.
Häufige Missverständnisse
„So etwas passiert doch nur im Krieg.“
Falsch. Sabotage und Angriffe auf Infrastruktur finden auch in Friedenszeiten statt.
„Deutschland ist dagegen immun.“
Falsch. Hohe technische Standards bedeuten nicht Unverwundbarkeit.
„Das betrifft mich nicht direkt.“
Falsch. Kritische Infrastruktur betrifft alle, jeden Tag.

